Im deutschen Sprachraum war bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts die sogenannte Deutsche Kurrentschrift als gängige Alltags- und Verkehrsschrift vorherrschend. Diese sehr geschwungene Schrift zeichnet sich vor allem durch spitze Winkel (Spitzschrift) und eine veränderliche Schriftstärke (Schwellzüge) der einzelnen Buchstaben aus.

Bis sich während der 1880er Jahre allmählich die Schreibmaschine durchzusetzen begann, war die Kurrentschrift auch Amts- und Protokollschrift, zum Beispiel in Österreich-Ungarn.
Kurrent ist nicht zu verwechseln mit Frakturschrift. Dieser Sammelbegriff bezeichnet verschiedene gebrochene deutsche Druckschriften seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Kurrent entwickelte sich zu einer sehr dekorativen Form des Schreibens, war jedoch für Schüler:innen schwer zu erlernen.

Aus diesem Grund beauftragte das preußische Kultusministerium 1911 den Grafiker Friedrich Sütterlin (1865-1917) mit der Entwicklung einer vereinfachten Schulausgangsschrift, die 1915 eingeführt und später als Sütterlinschrift bekannt wurde.

Mithilfe der Vereinfachung der Buchstabenformen und der Einführung der Kugelspitzfeder als standarisiertem Schreibwerkzeug schuf Sütterlin eine Ausgangsschrift, die ab den 1920er Jahren die Kurrentschrift allmählich abzulösen begann.
1935 wurde sie verbindlich als Deutsche Volksschrift in den Lehrplan aufgenommen. Die häufig als „Deutsche Schrift“ bezeichnete Sütterlinschrift wird ebenso wie die gedruckte, gotische Frakturschrift oftmals mit der NS-Zeit in Verbindung gebracht.
Im Rahmen der weltweiten Eroberungs- und Neuordnungspläne der Nationalsozialisten sollte jedoch auch das deutsche Schriftbild standarisiert und auf das gängigere Antiqua-Format umgestellt werden. Daher erfolgte im Januar 1941 das Verbot der gotischen Druckschrift, die von den Nationalsozialisten als „Schwabacher Judenlettern“ diffamiert wurde; am 1. September 1941 folgte eine entsprechende Neuregelung der in Schulen gelehrten Schreibschrift. Per Erlass des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung wurde die lateinische „Normal-Schrift“ ab dem Schuljahr 1941/42 verpflichtend eingeführt.

Heute unterliegen die deutschen Hand- und Druckschriften der 1964 festgelegten (und umstrittenen) Klassifizierung nach DIN 16518.